Wer regelmässig in der Halle bouldert, kennt es: Vor ein paar Tagen hast du tapfer deine letzten Hautreserven geopfert, nur um immer wieder am letzten Griff den Halt zu verlieren und frustriert zurück Richtung Matte zu fallen. Heute stehst du wieder da, topmotiviert und das Ego so geheilt wie die Fingerspitzen. Nur der Boulder ist weg. An seiner Stelle lockt bereits ein neues Problem mit anderen, frisch geputzten Griffen. Wie konnte das geschehen und vor allem, wer war hier am Werk?

Die kreativen Köpfen hinter den Wänden
Das Hauptprodukt einer Boulderhalle sind die Boulder; kurze Klettersequenzen, bei denen es darum geht, gleichfarbigen Griffen zu folgen und so die drei bis vier Meter hohe Wand zu erklimmen. Ein guter Boulder ist wie ein Rätsel, das dich nicht loslässt. Das anfängliche Scheitern motiviert dich, immer und immer wieder in den Boulder einzusteigen, verschiedene Bewegungen auszuprobieren und nach neuen Lösungen zu suchen. Hinter den Rätseln stecken die erfinderischen Köpfe der Boulderbauerinnen. Ihr Job besteht darin, den Besuchern regelmässig neue Herausforderungen zu bieten, indem sie die Wände mit frischen Boulder bestücken. Das ist alles andere als einfach. Boulderbau erfordert ein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen sowie Verständnis für Bewegungen, jahrelange Erfahrung und nicht zuletzt eine grosse Leidenschaft und Faszination für den Klettersport. Boulder schrauben ist anspruchsvoll, sowohl körperlich als auch geistig. Wer dem Geschehen gerne mal zuschauen möchte, der sollte der Halle tagsüber einen Besuch abstatten. Denn Abends, wenn die Halle allmählich aufblüht, sich die Bewegungshungrigen zum gemeinsamen Problemelösen treffen, haben Boulderbauer Feierabend – oder aber sie widmen sich dem Waschen und Sortieren der Griffe, im Kopf bereits beim nächsten Boulderbau Tag.

“Hast du eigentlich einen Plan?”
Eine Frage, die vermutlich jedem Boulderbauer schon einmal zu Ohren gekommen ist. Werden die Boulder von einem Computerprogramm generiert? Nein. Zeichnest du die zuerst auf Papier? Eigentlich nicht, aber kann schon mal vorkommen. Egal für welchen Schwierigkeitsgrad, am Anfang jedes Boulders steht eine Idee: Eine ganz bestimmte Bewegung, eine Linie, die sich durch die Strukturen der noch leeren Wand zieht, eine Emotion, die die Bouldernden fühlen, eine Technik, in welcher sie geschult werden sollen. Oder der Anspruch, einen Boulder besonders ästhetisch aussehen zu lassen. Ist der erste Entwurf einmal an die Wand geschraubt, folgt die Testphase. Dabei wird der Boulder auf Herz und Nieren geprüft und angepasst – ein Prozess, der nicht selten länger dauert als das Schrauben selbst. Funktionieren die einzelnen Züge? Sind sie sowohl für grosse als auch für kleinere Erwachsene machbar und ungefähr gleich schwierig? Falls es ein Kinderboulder sein soll, gibt es genügend Fusstritte? Stimmt der Schwierigkeitsgrad? Birgt der Boulder auch kein offensichtliches Verletzungspotential? Erst wenn alles stimmt, werden die Griffe fix angeschraubt und das neue Rätsel kann noch am gleichen Abend in Angriff genommen werden. Bei qualitativ hochwertigem Boulderbau ist deine anfängliche Enttäuschung über ein abgeschraubtes obwohl noch nicht abgeschlossenes Boulderprojekt meist schnell vergessen und du tüftelst bereits vertieft an neuen Herausforderungen.

Egal ob Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis – in der BoulderArea im Freiruum findet jeder Besuchende seinen Boulder Kick! Alle Informationen über die BoulderArea findest du hier: